Bauen im Einklang mit dem Lauf der Sonne
In eng bebauten Gebieten kann es schnell passieren, dass höhere Gebäudeteile anderen das Sonnenlicht „stehlen“. Für dieses Problem wurde im niederländischen Groningen eine kreative wie innovative Lösung gefunden.
In eng bebauten Gebieten kann es schnell passieren, dass höhere Gebäudeteile anderen das Sonnenlicht „stehlen“. Für dieses Problem wurde im niederländischen Groningen eine kreative wie innovative Lösung gefunden. Dort entwarf der Architekt Dennis Hauer von Urban Climate Architects ein einzigartiges Gebäude mit begrünten Dachflächen, die den Weg der Sonnenstrahlen nachvollziehen. Der geplante Fertigstellungstermin ist Anfang September 2019. Und in gewisser Weise erwies sich Hebel-Porenbeton bei der Realisierung als entscheidender Baustein.
In diesem Frühjahr war der Höhepunkt des Baus der De Woldring Locatie in Groningen erreicht, einer neuen Wohnanlage für junge Menschen mit 435 Wohnungen. Mit 16 Stockwerken und 50 Metern Höhe besitzt das Gebäude das markanteste Erscheinungsbild am Reitdiep, einem Gewässer, das quer durch die nördliche Stadthälfte fließt. Das Gebäude hat eine beeindruckende Größe, aber es ist insbesondere die Architektur, die ins Auge fällt – genauer gesagt die ungewöhnliche Gestaltung der Dächer.
Der Entwurf ist einzigartig in seiner Art und das nicht ohne Grund, wie Architekt Dennis Hauer erklärt: „Das Gebäude steht auf einem besonderen Grundstück, einer kompakten Lage zwischen dem Wasser und einer durchgehenden Straße. Die Fassade an der Straßenseite schirmt das Gebäude von dieser ab. Die beiden Seitenwände stehen senkrecht zur Straße, so dass der Komplex sozusagen den Innenhof umschließt."
Das Gebäude ist eingekesselt, könnte man sagen. „Der Lichteinfall in den Innenhof und die Wohnungen waren bei diesem Projekt wirklich große Herausforderungen", blickt Hauer zurück. „Wir haben nach einer optimalen Balance zwischen der Anzahl der Wohnungen und der Lebensqualität, die nicht unwesentlich vom Tageslicht abhängt, gesucht.“
Eine Lichtstudie war die Antwort: Mit einer speziellen Software wurde die tägliche Sonneneinstrahlung in Bezug auf den Komplex während aller Jahreszeiten dargestellt. Die Ergebnisse der Studie spiegeln sich in der Dachgestaltung und der Positionierung von De Woldring wider. So ist beispielsweise der höchste Turm auf die Abendsonne ausgerichtet. Nicht weniger konsequent ist die Gestaltung des Daches und der Fassade, die dafür sorgt, dass so viel Tageslicht wie möglich in das Gebäude gelangt. Hauer erklärt: „Der Lauf der Sonne hat eine ziemlich extreme Kurve, eine Art Parabel. Aufgrund des Sonnenverlaufs wurde die Dachform in gewisser Weise als Gegenform gezeichnet, so dass alle Wohnungen so viel Tageslicht wie möglich abbekommen und auch der Innenhof möglichst viel Sonneneinstrahlung erfährt. Und dies führt auch zu einem viel interessanteren Gebäude als sonst bei solchen Wohnanlagen. Die Silhouette ist sehr komplex. Um die Konstruktion möglich zu machen, haben wir versucht, das Dach so weit wie möglich in gerade Abschnitte zu unterteilen."
Vom Holzrahmenbau bis zum Porenbeton
Das Dach besteht aus sechs Teilen und wurde zunächst in Holzrahmenbauweise gezeichnet, sagt Planer Zlatan Balalic von Van Wijnen, dem Bauunternehmer von De Woldring. "Aber allmählich fanden wir heraus, dass der Holzrahmenbau physikalische und strukturelle Probleme verursachen kann: Die Konstruktion birgt die Gefahr der Dampfansammlung unter dem Dach mit sich und die Höhe des Gebäudes würde mit dem möglichen Windsog und dem Druck die Realisierung schwer möglich machen. Wir wollten dieses Risiko nicht eingehen, also mussten wir nach einem alternativen Baumaterial suchen." Das sei keine leichte Aufgabe gewesen, so Balalic. Es wurde eine Reihe von Alternativen diskutiert. „Unidek Dachbleche, Stahlbleche, Stahl und Verkleidungen, Betondachbleche; kein einziges Material bot die Lösung, die wir suchten. Die Alternative war entweder zu schwer oder nicht in den gesuchten Größen erhältlich."
Fehlendes Puzzleteil
Bis jemand aus dem Bauteam Porenbeton vorschlug. Ein Kollege hatte die Idee: "Wäre das nicht alles?“ Balalic erklärt: „Porenbeton – daran hatten wir noch gar nicht gedacht. Wir kontaktierten dann Xella und führten Sondierungsgespräche. Wir waren schnell überzeugt. Die Hebel-Dachplatten erwiesen sich als das fehlende Teil des Puzzles. Dank des geringen Gewichts von Hebel waren nur minimale Änderungen an der Konstruktion notwendig, um im Rahmen des Designs zu bleiben. Gleichzeitig ist Porenbeton feuchtigkeitsregulierend, schall- und feuerbeständig und passt in Bezug auf Budget und Ästhetik zu unserem Bild. Es gab nur Vorteile."
Dachplatten komplett nach Maß im Werk gefertigt
Eine Besonderheit des Projekts ist, dass Xella in enger Zusammenarbeit mit dem Hersteller Abt Wassenaar aus Haren für die komplette Planung der Dachkonstruktion verantwortlich war. „Wir haben alle Dachplatten und statischen Anschlüsse in 3D gezeichnet, danach wurde unser Modell in das BIM-Modell des Bauunternehmers integriert", sagt Xellas Zeichner Michael Ricardo. Er erklärt, dass die Neigung der Dachflächen besonders herausfordernd gewesen sei. „Zumal wir die hohen Anforderungen an Wind- und Wasserlasten und Windsog berücksichtigen mussten.“
Trotz der strukturellen Herausforderungen ist der Entwurf des Architekten "immer maßgeblich geblieben", versichert der Zeichner. „Um dies zu erreichen, wurden alle Platten im Xella-Werk komplett nach Maß gefertigt. Jede Dachbahn hat eine eindeutige Nummer." Vor Ort angekommen, kann das „Puzzle" des Daches verlegt werden.
Die nächste Herausforderung: Bauen an einem kompakten Ort
Neben den physikalischen und strukturellen Herausforderungen beim Bau von De Woldring galt es noch, eine weitere tägliche Herausforderung zu lösen: das Bauen an einem kompakten Ort. Auch hier bieten die Hebel-Dachplatten eine Lösung, sagt Vertriebsleiter Jan IJzerman von Xella: „Da sie komplett maßgeschneidert sind, kommt es nicht zu zusätzlichem Verschnitt auf der Baustelle. Darüber hinaus liefern wir just-in-time, was auch bedeutet, dass keine unnötige Lagerung von Baumaterialien erforderlich ist." Xella verfügt über viel Erfahrung im Bereich der Logistikplanung. Auch die Montage der Dachplatten und die damit verbundenen Sicherheitsanforderungen würden dem Bauunternehmer von Xella komplett abgenommen, erzählt IJzerman. „Das ist es, was dieses Projekt auch für uns besonders macht; wir bieten dem Kunden eine komplette Entlastung. Nicht nur mit der richtigen Gebäudelösung, sondern auch in den Bereichen technische Beratung, Engineering, Planung und Montage. Es passt zu unserer veränderten Rolle im Bauprozess. Anstatt nur ein Lieferant zu sein, werden wir zunehmend ein Baupartner, der in Lösungen denkt."
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